Fakten

So entwickelt sich das Kind vor der Geburt

Mit der Befruchtung beginnt die Entwicklung eines neuen Menschen. Die Wochenangaben beziehen sich auf das Alter nach der Befruchtung; ärztlich wird meist ab der letzten Regelblutung gerechnet.

Die menschliche Entwicklung ist ein fortlaufender Prozess.

Prof. Keith L. Moore, PhD

Zeitleiste

Die ersten zwölf Wochen sind keine Vorstufe. Sie sind Entwicklung.

Befruchtung
0 Wochen · 2. SSW

Befruchtung

Bei der Befruchtung verschmelzen Spermium und Eizelle und bilden einen neuen Organismus: ein neuer Mensch.[1] Mit dem neuen Genom liegen die genetischen Grundlagen der weiteren Entwicklung vor.[2]

Embryo Woche 1
1 Woche · 3. SSW

Einnistung

Die Implantation in die Gebärmutterwand beginnt etwa eine Woche nach der Befruchtung und ist in der zweiten Woche abgeschlossen.[3] Der winzige Mensch beginnt, Nährstoffe von seiner Mutter aufzunehmen.

3 Wochen · 5. SSW

Zentrales Nervensystem

Gehirn, Rückenmark und Herz entwickeln sich.[4] Das Herz-Kreislauf-System ist das erste große System, das im Embryo funktioniert. Das Herz beginnt am 22. Tag zu schlagen.[5]

4 Wochen · 6. SSW

Herz-Kreislauf-System

Ein aktives Herz-Kreislauf-System existiert. Das Herz pumpt Blut in Gehirn und Körper; zu diesem Zeitpunkt schlägt es 105–121 Mal pro Minute.[6]

Embryo Woche 5
6 Wochen · 8. SSW

Tasten und Fühlen

Die winzigen Finger sind klar erkennbar. Wenn das Kind das Gesicht berührt, wendet es sich reflexartig ab.[7] Die Größe beträgt etwa 1,5 cm vom Kopf bis zum Hinterteil.

7 Wochen · 9. SSW

Erste Bewegungen

Der Hals kann sich drehen, die Hände beginnen sich zu bewegen und das Kind kann schlucken. Mädchen entwickeln Eierstöcke und Uterus, Jungen Hoden.[8]

Embryo Woche 8
8 Wochen · 10. SSW

Organentwicklung abgeschlossen

Finger und Zehen sind vollständig geformt. Die meisten inneren und äußeren Strukturen ähneln denen eines Neugeborenen; die Embryonalperiode endet, alle wesentlichen Strukturen sind angelegt.[9]

9 Wochen · 11. SSW

Das Kind zeigt Charakter

Das Kind streckt sich, gähnt, bewegt die Zunge, lutscht am Daumen und trinkt regelmäßig Fruchtwasser. Ab jetzt bilden sich Haare am kleinen Körper.[10]

Fötus Woche 10
10 Wochen · 12. SSW

Der Fingerabdruck

Der einzigartige Fingerabdruck bildet sich. Finger- und Zehennägel wachsen weiter, die Knochen werden härter.[11]

Fötus Woche 12
12 Wochen · 14. SSW

Abtreibungsgrenze

Das Kind hat Geschmacksknospen. Hände berühren den Mund bis zu 50 Mal pro Stunde, Geschlecht und äußere Geschlechtsmerkmale sind erkennbar.[12]

In Deutschland sind Abtreibungen nach der Beratungsregelung bis zu diesem Zeitpunkt unter bestimmten Bedingungen straffrei.[13]

Danach

Das Kind wächst und reift weiter.

Woche 20

Eigener Rhythmus

Atemmuster, Körperbewegungen und Herzfrequenz passen sich dem Tagesablauf an. Kopfhaar und Augenbrauen sind deutlich erkennbar.[14]

Woche 24

Alle Sinne reagieren

Das Kind reagiert auf laute Geräusche, Druck, Bewegung, Vibrationen, Schmerz, Hitze, Kälte, Geschmack und Licht.[15]

Woche 28

Hören und Sehen

Das Kind unterscheidet Geräusche genauer. Nach dem Öffnen der Augenlider kann der Pupillenreflex auf Licht ausgelöst werden.[16]

Die Geburt verändert den Ort des Kindes, nicht sein Wesen.

Es gibt keinen späteren Umschaltpunkt, an dem aus einem „Zellhaufen“ plötzlich ein Mensch wird. Von Anfang an entwickelt sich ein Mensch.

Fußnoten

Fußnoten

[1] T. Vidhya N. Persaud / Marc G. Torchia, Embryologie. Frühentwicklung – Organogenese – Klinik, begründet von Keith L. Moore, München 7. Aufl. 2026, S. 2.

[2] T. Vidhya N. Persaud / Marc G. Torchia, Embryologie, München 7. Aufl. 2026, S. 35–40.

[3] Johannes W. Rohen / Elke Lütjen-Drecoll, Funktionelle Embryologie, Stuttgart 6. Aufl. 2022, S. 22–24; T. Vidhya N. Persaud / Marc G. Torchia, Embryologie, München 7. Aufl. 2026, S. 51–64.

[4] Gert-Horst Schumacher / Bodo Christ, Embryonale Entwicklung und Fehlbildungen des Menschen, Berlin 10. Aufl. 1993, S. 306–361; Ulrich Drews, Taschenatlas der Embryologie, Stuttgart 2. Aufl. 2006, S. 72; T. Vidhya N. Persaud / Marc G. Torchia, Embryologie, München 7. Aufl. 2026, S. 38, 321–341.

[5] Beate Brand-Saberi, Kurzlehrbuch Embryologie, Stuttgart 4. Aufl. 2023, S. 83; T. Vidhya N. Persaud / Marc G. Torchia, Embryologie, München 7. Aufl. 2026, S. 322.

[6] T. Vidhya N. Persaud / Marc G. Torchia, Embryologie, München 7. Aufl. 2026, S. 83.

[7] Ulrich Drews, Taschenatlas der Embryologie, Stuttgart 2. Aufl. 2006, S. 48; T. Vidhya N. Persaud / Marc G. Torchia, Embryologie, München 7. Aufl. 2026, S. 93, 96.

[8] Johannes W. Rohen / Elke Lütjen-Drecoll, Funktionelle Embryologie, Stuttgart 6. Aufl. 2022, S. 116; T. Vidhya N. Persaud / Marc G. Torchia, Embryologie, München 7. Aufl. 2026, S. 206.

[9] Thomas W. Sadler, Medizinische Embryologie. Die normale menschliche Entwicklung und ihre Fehlbildungen, Stuttgart u.a. 11. Aufl. 2008, S. 118f.; T. Vidhya N. Persaud / Marc G. Torchia, Embryologie, München 7. Aufl. 2026, S. 4, 333.

[10] T. Vidhya N. Persaud / Marc G. Torchia, Embryologie, München 7. Aufl. 2026, S. 113, 489.

[11] T. Vidhya N. Persaud / Marc G. Torchia, Embryologie, München 7. Aufl. 2026, S. 487.

[12] T. Vidhya N. Persaud / Marc G. Torchia, Embryologie, München 7. Aufl. 2026, S. 113–114.

[13] § 218a Abs. 1 StGB.

[14] T. Vidhya N. Persaud / Marc G. Torchia, Embryologie, München 7. Aufl. 2026, S. 115.

[15] T. Vidhya N. Persaud / Marc G. Torchia, Embryologie, München 7. Aufl. 2026, S. 115.

[16] T. Vidhya N. Persaud / Marc G. Torchia, Embryologie, München 7. Aufl. 2026, S. 119.

Was folgt daraus?

Wer sieht, wie weit die Entwicklung reicht, sollte auch wissen, was bei einer Abtreibung geschieht.

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