Fakten
So entwickelt sich das Kind vor der Geburt
Mit der Befruchtung beginnt die Entwicklung eines neuen Menschen. Die Wochenangaben beziehen sich auf das Alter nach der Befruchtung; ärztlich wird meist ab der letzten Regelblutung gerechnet.
Die menschliche Entwicklung ist ein fortlaufender Prozess.
Prof. Keith L. Moore, PhD
Zeitleiste
Die ersten zwölf Wochen sind keine Vorstufe. Sie sind Entwicklung.
Einnistung
Die Implantation in die Gebärmutterwand beginnt etwa eine Woche nach der Befruchtung und ist in der zweiten Woche abgeschlossen.[3] Der winzige Mensch beginnt, Nährstoffe von seiner Mutter aufzunehmen.
Herz-Kreislauf-System
Ein aktives Herz-Kreislauf-System existiert. Das Herz pumpt Blut in Gehirn und Körper; zu diesem Zeitpunkt schlägt es 105–121 Mal pro Minute.[6]
Tasten und Fühlen
Die winzigen Finger sind klar erkennbar. Wenn das Kind das Gesicht berührt, wendet es sich reflexartig ab.[7] Die Größe beträgt etwa 1,5 cm vom Kopf bis zum Hinterteil.
Erste Bewegungen
Der Hals kann sich drehen, die Hände beginnen sich zu bewegen und das Kind kann schlucken. Mädchen entwickeln Eierstöcke und Uterus, Jungen Hoden.[8]
Organentwicklung abgeschlossen
Finger und Zehen sind vollständig geformt. Die meisten inneren und äußeren Strukturen ähneln denen eines Neugeborenen; die Embryonalperiode endet, alle wesentlichen Strukturen sind angelegt.[9]
Das Kind zeigt Charakter
Das Kind streckt sich, gähnt, bewegt die Zunge, lutscht am Daumen und trinkt regelmäßig Fruchtwasser. Ab jetzt bilden sich Haare am kleinen Körper.[10]
Der Fingerabdruck
Der einzigartige Fingerabdruck bildet sich. Finger- und Zehennägel wachsen weiter, die Knochen werden härter.[11]
Abtreibungsgrenze
Das Kind hat Geschmacksknospen. Hände berühren den Mund bis zu 50 Mal pro Stunde, Geschlecht und äußere Geschlechtsmerkmale sind erkennbar.[12]
In Deutschland sind Abtreibungen nach der Beratungsregelung bis zu diesem Zeitpunkt unter bestimmten Bedingungen straffrei.[13]
Danach
Das Kind wächst und reift weiter.
Eigener Rhythmus
Atemmuster, Körperbewegungen und Herzfrequenz passen sich dem Tagesablauf an. Kopfhaar und Augenbrauen sind deutlich erkennbar.[14]
Alle Sinne reagieren
Das Kind reagiert auf laute Geräusche, Druck, Bewegung, Vibrationen, Schmerz, Hitze, Kälte, Geschmack und Licht.[15]
Hören und Sehen
Das Kind unterscheidet Geräusche genauer. Nach dem Öffnen der Augenlider kann der Pupillenreflex auf Licht ausgelöst werden.[16]
Die Geburt verändert den Ort des Kindes, nicht sein Wesen.
Es gibt keinen späteren Umschaltpunkt, an dem aus einem „Zellhaufen“ plötzlich ein Mensch wird. Von Anfang an entwickelt sich ein Mensch.
Fußnoten
Fußnoten
[1] T. Vidhya N. Persaud / Marc G. Torchia, Embryologie. Frühentwicklung – Organogenese – Klinik, begründet von Keith L. Moore, München 7. Aufl. 2026, S. 2.
[2] T. Vidhya N. Persaud / Marc G. Torchia, Embryologie, München 7. Aufl. 2026, S. 35–40.
[3] Johannes W. Rohen / Elke Lütjen-Drecoll, Funktionelle Embryologie, Stuttgart 6. Aufl. 2022, S. 22–24; T. Vidhya N. Persaud / Marc G. Torchia, Embryologie, München 7. Aufl. 2026, S. 51–64.
[4] Gert-Horst Schumacher / Bodo Christ, Embryonale Entwicklung und Fehlbildungen des Menschen, Berlin 10. Aufl. 1993, S. 306–361; Ulrich Drews, Taschenatlas der Embryologie, Stuttgart 2. Aufl. 2006, S. 72; T. Vidhya N. Persaud / Marc G. Torchia, Embryologie, München 7. Aufl. 2026, S. 38, 321–341.
[5] Beate Brand-Saberi, Kurzlehrbuch Embryologie, Stuttgart 4. Aufl. 2023, S. 83; T. Vidhya N. Persaud / Marc G. Torchia, Embryologie, München 7. Aufl. 2026, S. 322.
[6] T. Vidhya N. Persaud / Marc G. Torchia, Embryologie, München 7. Aufl. 2026, S. 83.
[7] Ulrich Drews, Taschenatlas der Embryologie, Stuttgart 2. Aufl. 2006, S. 48; T. Vidhya N. Persaud / Marc G. Torchia, Embryologie, München 7. Aufl. 2026, S. 93, 96.
[8] Johannes W. Rohen / Elke Lütjen-Drecoll, Funktionelle Embryologie, Stuttgart 6. Aufl. 2022, S. 116; T. Vidhya N. Persaud / Marc G. Torchia, Embryologie, München 7. Aufl. 2026, S. 206.
[9] Thomas W. Sadler, Medizinische Embryologie. Die normale menschliche Entwicklung und ihre Fehlbildungen, Stuttgart u.a. 11. Aufl. 2008, S. 118f.; T. Vidhya N. Persaud / Marc G. Torchia, Embryologie, München 7. Aufl. 2026, S. 4, 333.
[10] T. Vidhya N. Persaud / Marc G. Torchia, Embryologie, München 7. Aufl. 2026, S. 113, 489.
[11] T. Vidhya N. Persaud / Marc G. Torchia, Embryologie, München 7. Aufl. 2026, S. 487.
[12] T. Vidhya N. Persaud / Marc G. Torchia, Embryologie, München 7. Aufl. 2026, S. 113–114.
[13] § 218a Abs. 1 StGB.
[14] T. Vidhya N. Persaud / Marc G. Torchia, Embryologie, München 7. Aufl. 2026, S. 115.
[15] T. Vidhya N. Persaud / Marc G. Torchia, Embryologie, München 7. Aufl. 2026, S. 115.
[16] T. Vidhya N. Persaud / Marc G. Torchia, Embryologie, München 7. Aufl. 2026, S. 119.
Was folgt daraus?
Wer sieht, wie weit die Entwicklung reicht, sollte auch wissen, was bei einer Abtreibung geschieht.